Lewis Carroll – Wie man Briefe schreibt

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Lewis Carroll schrieb nicht nur den Kinderbuchklassiker „Alice im Wunderland“, er war auch ein gewiefter Geschäftsmann. Beispielsweise brachte er ein Etui für Briefmarken heraus („Das Wunderland-Etui für Briefmarken“), das auch einige Regeln für das Schreiben eines gelungenen Briefes enthielt.
Gleich zu Beginn zeigt Carroll, dass er mit Menschen redet, die in ihrem Leben wenig Erfahrungen mit Briefen gemacht haben…

„Wenn der Brief die Antwort auf einen anderen sein soll,
fangen Sie damit an, dass Sie diesen anderen Brief hervorholen und
durchlesen“, so begann er, „um Ihr Gedächtnis aufzufrischen, worauf
Sie zu antworten haben und wie die augenblickliche Adresse
Ihres Empfängers lautet (sonst schicken Sie Ihren Brief an seine
übliche Adresse in London, obwohl er so aufmerksam war, Ihnen
ausführlich schriftlich seine Adresse in Torquay mitzuteilen).“

Lewis Carroll Selbstportrait

https://en.wikipedia.org/wiki/Lewis_Carroll#/media/File:Lewis_Carroll_Self_Portrait_1856_circa.jpg

Als nächstes sollte man den Umschlag adressieren und frankieren, bevor man überhaupt damit anfing das Schreiben zu formulieren. Kurios? Vielleicht.

„Und ich sage Ihnen, was passiert, wenn Sie das nicht tun“, prophezeite Caroll.

„Sie schreiben und schreiben weiter bis zum letzten Augenblick, und gerade
in der Mitte des letzten Satzes wird Ihnen bewusst, dass ›die Zeit um
ist‹! Und dann kommt der eilige Schluss, die wild hingekritzelte Unterschrift,
das eilige Verkleben des Umschlags, der in der Post dann wieder
aufgeht, die Adresse, nichts als eine Hieroglyphe, die schaurige Entdeckung,
dass Sie vergessen haben, Ihr Briefmarkenetui nachzufüllen, die
verzweifelte Bitte an jede Person im Haus, Ihnen eine Marke zu leihen,
der rasende Lauf zum Postamt, wo Sie schwitzend und keuchend ankommen,
gerade als der Schalter geschlossen ist, und am Ende, eine Woche
später, die Rücksendung des Briefes aus der Briefermittlungsstelle mit
dem Vermerk ›Anschrift unleserlich‹!“
So weit, so gut. Doch was gilt es beim eigentlichen Texten zu beachten?

Schreiben Sie leserlich. Das durchschnittliche Temperament des Menschengeschlechts würde sich merklich besänftigen, wenn jeder dieser Regel beherzigte! Ein Großteil der schlechten Schrift auf der Welt kommt einfach daher, dass man zu schnell schreibt. Natürlich werden Sie antworten: ›Das mache ich, um Zeit zu sparen.‹“
Caroll lässt Zeitmangel nicht als Argument gelten und verweist auf seine eigenen Erfahrungen mit der Schmiere seiner Freunde:
„Wenn alle Freunde so schrieben, dann verbrächte man das ganze Leben damit, ihre Briefe zu lesen!“

Aber zu guter Letzt liefert er auch einige Worte der Weisheit, die sich auch auf unseren alltäglichen E-Mail-Verkehr anwenden lassen. So soll man beispielsweise einen vielleicht beleidigenden Brief einen Tag lang beiseitelegen um
ihn danach so zu lesen, als sei man selbst der Empfänger. „Das wird häufig dazu
führen, dass Sie ihn ganz von vorne schreiben, viel Essig und Pfeffer
dabei weglassen und statt dessen Honig zugeben.“

Carrolls weitere Regeln:

Wenn Ihr Brieffreund eine strenge Bemerkung macht, ignorieren Sie sie
entweder oder mildern Sie Ihre Antwort ab; ist Ihr Freund freundlich,
machen Sie Ihre Antwort noch freundlicher.
Versuchen Sie nicht das letzte Wort zu behalten: lassen Sie eine Debatte
höflich ihren Lauf nehmen. Denken Sie daran: „Reden ist Silber, Schweigen
ist Gold!“ (Anm.: Falls Sie ein Herr sind und an eine Dame schreiben,
ist diese Regel überflüssig: Sie werden nicht das letzte Wort haben!)
Sollten Sie Ihren Freund je zum Spaß beleidigen, machen Sie das überdeutlich.
Wenn Sie schreiben, dass Sie einen Scheck oder den Brief eines anderen
beilegen, legen Sie einen Augenblick lang den Stift weg – gehen Sie das
erwähnte Dokument holen – und stecken Sie es in den Umschlag. Andernfalls
können Sie ziemlich sicher erwarten, es herumliegen zu sehen,
wenn die Post abgegangen ist!
Ist das Blatt voll, suchen Sie ein neues: Was Sie auch tun, schreiben Sie
nicht quer über Ihre Zeilen! Erinnern Sie sich an das alte Sprichwort „quer
geschrieben, verquer gelesen“.
[Carroll gestand übrigens, dieses Sprichwort selbst erfunden
zu haben.]

Erfahren Sie mehr über diese und viele weitere amüsante Anekdoten rund um die Welt der Briefe in unserem Bestseller „Briefe!“ von Simon Garfield.

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Briefe im Abo – „Letters in the Mail“

Briefe von Unbekannten abonnieren, ist das nicht ein wenig verrückt? Will man nicht eigentlich persönliche, von Bekannten, Liebsten und Verwandten geschriebene Briefe erhalten, mit denen man auch die eigenen Erlebnisse gerne per Brief teilen will? Aber wie den Anfang machen, wenn man längst in der täglichen Kommunikation zum Handy oder zur Mail gegriffen hat, und die Brieffreunde von einst jetzt nur noch auf Facebook von sich lesen lassen?

Eine Lösung könnte „Letters in the Mail“ sein – eine Idee des amerikanischen Filmemachers und Schriftstellers Stephen Elliot. Als Ergänzung zu seiner linksorientierten Kulturwebseite „The Rumpus“ kann man sich für Letters in the Mail registrieren. Für 71 Dollar (USA) bzw. 120 Dollar weltweit erhält man ein Jahr lang monatlich zwei Briefe zugeschickt. Die Briefe werden normalerweise von Romanciers, Künstlern, Autorinnen und Autoren, Kulturschaffenden oder Wissenschaftlern verfasst, von The Rumpus kopiert und an die Abonnenten in aller Welt verschickt. Meist gibt es auch eine Antwortadresse, und die Briefeschreiber freuen sich über die Post ihrer Leser.

Briefe!“-Autor Simon Garfield hat auf diesem Weg Brieffreundschaft mit einer Englischprofessorin geschlossen. Er hat ihr einfach auf den Brief geantwortet, der von ihr an Letters-of-Mail-Gemeinde verschickt wurde. Die Geschichte dieser Brieffreundschaft erzählt Garfield im Epilog seines Buches – und es wird klar: Wenn Briefe persönlich geschrieben sind und Einblick in das Innenleben geben, berühren sie uns, auch wenn sie von völlig Unbekannten stammen.

„Du glaubst gar nicht, wie ich mich nach Dir sehne.“ Plinius & Calpurnia

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Gaius Plinius Caecilius Secundus, auch Plinius der Jüngere genannt (Plinius der Ältere war sein Onkel), ist uns wegen seines schriftstellerischen Werkes bekannt – hauptsächlich wegen der sogenannten Plinius-Briefe.

Die bereits zu Lebzeiten herausgegebenen Briefe bleiben ein unverzichtbares Zeugnis für das Leben und Denken der Oberschicht Roms zu Zeiten des Prinzipats. Einmal gelesen, sind seine dramatischen Schilderungen des Vesuvausbruchs 79 n. Chr. nicht mehr aus dem Gedächtnis zu streichen.

Weitaus seltener wird über Plinius amouröse Briefwechsel gesprochen. Was eigentlich erstaunlich ist: Seine Liebesbriefe gehören zu den wenigen Belegen für die römische Liebe in Briefform. Noch dazu bewegen Sie den modernen Leser – als würde bei Liebesfragen ein Zeitunterschied von Jahrtausenden keine Rolle spielen. Apropos modern: Seine ergreifendsten Briefe schrieb Plinius an seine dritte Frau Calpurnia:

Warum? Weil ich Dich lieb habe, und weil wir es nicht gewohnt sind,
getrennt zu sein. Daher kommt es auch, daß ich einen großen Teil der
Nacht wachend mit Deinem Bild vor Augen verbringe; daher, daß mich
bei Tage zu den Stunden, wo ich mich Dir zu widmen pflegte, wie man
ganz richtig sagt, die Füße selbst zu Deinem Zimmer führen, und daß
ich schließlich betrübt und niedergeschlagen, als hätte man mich nicht
eingelassen, Dein leeres Gemach verlassen.

Calpurnia erging es zu jener Zeit wohl nicht allzu gut. Ihr geliebter Plinius war bereits seit einigen Wochen geschäftlich unterwegs. Der Briefverkehr linderte den Schmerz zwar, doch zugleich entflammte er ihre Sehnsucht erneut. In einem weiteren Brief schreibt Plinius:

Wie Du mir schreibst, leidest Du nicht wenig unter der Trennung von
mir, und nur eines tröste Dich: daß Du statt meiner meine Schriften zur
Hand hast, sie oft sogar neben Dich auf meinen Platz legst. Lieb von Dir,
daß Du mich so vermißt, lieb von Dir, daß Du mit diesem Trostmittel
zur Ruhe kommst. Ich meinerseits lese dauernd Deine Briefe und nehme
sie immer wieder zur Hand, als wären sie neu, aber um so mehr regt sich
die Sehnsucht nach Dir. Denn wessen Briefe soviel Anmut haben, wieviel
Süße bietet dessen Gespräch! Schreib mir doch so oft wie möglich,
mag auch die Freude darüber mit Pein verbunden sein!

Die Briefe waren zu einer regelrechten Sucht geworden. Sie sind das Sinnbild für bittersüße Liebesbriefe, die heute immer seltener werden und durch neue Medien kaum zu ersetzen sind. Oder können Sie sich vorstellen so sehnsüchtig um eine weitere E-Mail zu bitten?

Um so inständiger bitte ich Dich, meiner Angst tagtäglich
mit einem oder lieber noch mit zwei Briefen abzuhelfen. Ich
werde ruhiger sein, wenn ich sie lese, und gleich wieder voll Angst,
sobald ich sie gelesen habe.

Fiktive Privatheit des Gefühls: der Briefroman

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Das Medium Brief repräsentiert eine intime Kommunikation zwischen Absender und Empfänger. Diese Vertraulichkeit nutzt der Briefroman, um den Leser an der Gefühlswelt seiner Romanfiguren ohne vermittelnde Zwischeninstanz teilhaben zu lassen.

Briefromane gab es bereits in der Antike. Häufig dienten diese der literarischen Präsentation philosophischer Themen. Ein bekanntes Beispiel sind die so genannten ›Sokratikerbriefe‹. Hierbei handelt es sich um eine fiktive Briefsammlung, als deren Verfasser Sokrates und einige seiner Schüler figurieren.

Seine Hochphase erreichte das Genre jedoch im 18. Jahrhundert, in dem der Brief im bürgerlichen Umfeld zum bestimmenden Kommunikationsmedium aufstieg. Das Zeitalter der Empfindsamkeit maß der Forderung nach Darstellung subjektiver und unmittelbarer Gefühle in der Kunst eine zentrale Rolle bei. In der fiktiven Privatheit des Briefromans fand es seine ideale Ausdrucksform.

Die literarische Gattung zeugt darüber hinaus vom gewachsenen Selbstbewusstsein eines europäischen Bürgertums, das sich in seinen Denkweisen und Tugenden vom Adel emanzipierte. Bis ins 19. Jahrhundert erwies sich der Briefroman als geeignetes Medium zur Manifestation und Verbreitung bürgerlicher Normen und Werte.

Bekannte Beispiele dieser Art des Erziehungsromans sind ›Pamela oder die belohnte Tugend‹ von Samuel Richardson (1740) oder ›Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“‹(1771) von Sophie von La Roche. ›Die Leiden des jungen Werthers‹, das 1774 erschienene Werk Johann Wolfgang von Goethes, gilt bis heute als der wohl bekannteste empfindsame Roman in Briefform.

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Mit der Entstehung moderner Erzähltechniken wie erlebter Rede oder innerem Monolog im 19. Jahrhundert verloren Briefromane in ihrer Funktion als Medium des Unmittelbaren und Subjektiven an Bedeutung. Dennoch gerieten sie bis heute nie gänzlich aus der Mode.

Im Zuge der digitalisierten Kommunikationswege entwickelte sich als verwandte Kunstform der E-Mail-Roman. Wie beim Briefroman liegt der Fokus bei diesem auf dem unmittelbaren Austausch zwischen den Romanfiguren.

BS

Die Deutsche Post erhöht das Briefporto

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Was den Brief wertvoll macht, sollte nicht die Briefmarke darauf sein. Seinen Wert erhält der Brief durch seine Menschlichkeit, also durch seine Ineffizienz: Briefe sind anachronistisch, langsam und umständlich. Sie vorzubereiten ist ein Ritual, sie zu schreiben bedarf des bedächtigen Überlegens, sie zu formulieren fordert ehrliche Worte. Der Brief erschafft etwas selten Gewordenes:
eine langsame Konversation.

E-Mails werden das nicht ersetzen. Als Errungenschaft der modernen Zeit sind sie zu effektiv. Sie bereiten keine Mühe, sind schnell erledigt und lassen sich nebenbei tippen. Die Email bietet sich an, um sterile Informationen hastig auszutauschen oder aber um pausen- und gedankenlos zu plappern. Die echte Unterhaltung liegt dem Medium nicht.
Und nur weil ein „Briefwechsel per Mail“ denkbar ist, sagt das noch nichts über tatsächliche Nutzung des Mediums aus. Schließlich ist es ebenso vorstellbar, Hamlet im Kasperletheater aufzuführen oder an der Autobahn zu zelten.

Und natürlich scheint die geplante Preiserhöhung um 8 Cent erträglich, doch faktisch ist es eine zusätzliche(und vor allem unschöne) Hürde. Bei so manchem wird es das Zünglein an der Waage sein, das zu stumpfen oder geschwätzigen Mails führt, anstatt sich die Zeit zu nehmen um sich tatsächlich mitzuteilen. Werden letztlich also tiefgehende Gespräche auf das Spiels gesetzt? Muss das sein?

Ob die Preiserhöhung einem wirtschaftlichen Imperativ folgt, ist schwer zu sagen. Manche meinen, die Preiserhöhung sei ökonomisch gerechtfertigt, da die Post die ganze (auch ländliche) Republik flächendeckend mit Briefen versorge, während sich die Konkurrenz nur auf attraktive Ballungsgebiete stürzt.
Auf der anderen Seite hat Postchef Frank Appel letztes Jahr 9,59 Millionen Euro verdient, was einem Plus von satten 22 Prozentpunkten entspricht und ihn auf Rang 3 Platz der bestbezahlten DAX-Manager katapultierte.
Wenn man es dem Postchef so leicht macht, warum macht er es dem Brief dann so schwer?

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Die amüsante Art der Queen Mum

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Alle Briefe der Königinmutter sind auffallend amüsant, doch besonders unterhaltsam gerieten ihre kurzen Dankschreiben, die auf allerlei erhaltene Geschenke folgten:

Zum 101. Geburtstag erhielt die Edelfrau eine Garnitur flauschiger Badehandtücher von ihrem Enkel Prinz Charles. Die Königinmutter war begeistert. In einem Dankesbrief schwärmte sie „wie sich die Tücher um ihren ganzen Körper wickeln“ fühle sich schlicht „himmlisch“ an.

Mit ähnlichem Enthusiasmus bedankte sich die Königinmutter für eine Pralinenschachtel. Dabei sparte die Frau kaum mit Superlativen: Die Süßwaren seien „zu himmlisch, um es in Worte zu fassen.“ „Das Außergewöhnliche daran ist, dass sie alle so gut sind.“
Wüsste man es nicht besser, würde man der resoluten Frau einen gewissen Sarkasmus unterstellen. In Anbetracht ihrer großartigen Gruß- und Abschiedsfloskeln handelt es sich aber wohl eher um besonderen Anstand – oder um ehrliche Lebensfreude.

So schreibt Königin Elizabeth an Churchill „Mit vorzüglicher Hochachtung“ , an Prinz Paul von Jugoslawien „Stets herzl. Deine“ und an Eleanor Roosevelt „Ihre aufrichtige Freundin“.
Doch Ihre wohl bekannteste Schlussformulierung ging an ihre Nichte Elizabeth Elphinstone:

„Tinkety tonk, altes Haus & nieder mit den Nazis.
Stets deine dich liebende

Peter“

Warum Peter? Angeblich konnte eines der Elphinstone-Kinder den Namen Elizabeth nur als „Peter“ aussprechen. Dass die Königinmutter das in ihre eigenen Briefe übernahm, zeugt von ihrer erfrischenden Menschlichkeit.

Diese und viele weitere Anekdoten rund um das schöne Thema Briefe finden Sie in unserem Bestseller „Briefe!“ von Simon Garfield.

Einsendeschluss Gewinnspiel

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Liebe Leser/innen, liebe Einsender/innen,

im Rahmen unseres Gewinnspiels haben wir Sie gebeten, uns die Briefe Ihres Lebens zu senden, die Sie am meisten beschäftigt, berührt und bewegt haben.

Wir erhielten zahlreiche faszinierende Einsendungen und möchten uns an dieser Stelle bei Ihnen herzlich bedanken. Manche Briefe haben uns zu Tränen gerührt, andere haben uns ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Begeistert waren wir von jedem Einzelnen.

Ob Sie zu den glücklichen Gewinnern gehören, die ein vom Autor signiertes Exemplar der „Briefe!“ erhalten oder ob Sie gar der stolze Gewinner unseres 200-Euro-Warengutscheins sind, erfahren Sie im Laufe der nächsten Woche an dieser Stelle.

Die folgende Einsendung fanden wir besonders gelungen und möchten Sie deshalb – mit einigem Stolz – allen Interessierten des Briefe!-Blogs präsentieren. Die Überschrift dieser Einsendung könnte lauten: Kann man eine E-Mail so schön verpacken?

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Briefe an einen jungen Dichter – Rainer Maria Rilke

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Rainer Maria Rilkes „Briefe an eine jungen Dichter“ enthalten einige der bekanntesten Briefwechsel in der Geschichte des Briefes. In seinen über 7000 Korrespondenzen war es Rilke möglich, sowohl seinem sprachlichen Stilvermögen, als auch dem menschlichen Einfühlungsvermögen des Dichters Ausdruck zu verleihen.

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In seinen zehn Briefen an Franz Xaver Kappus gibt Rilke dem jungen Dichter Ratschläge, wie er mit der Entscheidung zwischen einer militärischen und einer schriftstellerischen Laufbahn umgehen soll. Darum, sehr geehrter Herr, wußte ich Ihnen keinen Rat als diesen: in sich zu gehen und die Tiefen zu prüfen, in denen Ihr Leben entspringt; an seiner Quelle werden Sie die Antwort auf die Frage finden, ob Sie schaffen müssen.

In ihrem Austausch tat Rilke noch mehr, als literarische Ratschläge zu geben – vielmehr reflektierte er über diverse Themen die den Menschen beschäftigen: Die Liebe, die eine Prüfung sein kann: Auch zu lieben ist gut: denn Liebe ist schwer. Liebhaben von Mensch zu Mensch: das ist vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist, das Äußerste, die letzte Probe und Prüfung, die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.

Die Einsamkeit, die eine Chance bieten kann, zu sich selbst zu finden: Was not tut, ist doch nur dieses: Einsamkeit, große innere Einsamkeit. Insich-Gehen und stundenlang niemandem begegnen, – das muß man erreichen können.

Und auch das Suchen und Finden von Antworten auf Fragen, die man sich vielleicht schon lange stellt: Ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen […] Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. […] Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.

Suchen und Finden muss man für sich selbst. Aber Rilke und seine Briefe können dabei ein wunderbarer Wegbegleiter und Lotse sein.

Gandhi & Hitler

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Am 1. September 1939 wird Polen von Deutschland eingenommen, viele sehen dies als tatsächlichen Anfang des 2. Weltkrieges. Keinen Monat zuvor schrieb Gandhi einen Brief an Adolf Hitler, in dem er versuchte das drohende Elend abzuwehren.
Allerdings verhinderte die britische Regierung, dass unten abgedruckter Brief jemals seinen Empfänger fand.

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Werter Freund,
Freunde haben mich dazu gebracht Dir zu schreiben – zum Wohle der Menschheit. Aber ich habe deren Forderungen immer abgelehnt, weil ich das Gefühl hatte, dass jeder Brief von mir eine Respektlosigkeit sei. Etwas rät mir, dass ich nicht länger abwägen sollte und dass ich meine Bitte äußern muss, was auch immer dies wert sei.
Es ist offensichtlich, dass Du heutzutage die eine Person bist, die einen Krieg verhindern kann, der die Menschheit zu einem primitiven Zustand verdammt. Musst Du für Dein Anliegen, egal wie wichtig es Dir erscheint, diesen Preis bezahlen? Wirst Du jemandes Bitte hören, der bewusst die Methoden des Krieges verneint – und einigen Erfolg damit hat?
Wie dem auch sei, ich bitte um Vergebung, falls es falsch war Dir zu schreiben.
Ich verbleibe,

Dein ehrlicher Freund

M. K. Gandhi

Otto von Bismarck – Briefe um seine große Liebe

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Otto von Bismarck ist eine der meist diskutierten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Bekannt als taktischer, knallharter aber auch nicht unumstrittener Staatsmann, der von der Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871 bis 1890 die Geschicke des Landes lenkte.

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Briefe sind etwas sehr menschliches, die humorvoll, melancholisch oder liebevoll verfasst sein können. Wie der bereits in unserem Blog vorgestellte Brief Bismarcks an seine Schwester zeigte, war Bismarck nicht immer nur der ernste Politiker. Auch sein Verlobungsbrief an seine spätere Frau Johanna von Puttkamer und deren Familie zeigt, wie einfallsreich der große Lenker des deutschen Reiches bei Herzensangelegenheiten sein konnte. Der zu dieser Zeit hochverschuldete junge Otto von Bismarck, der Johanna zuvor durch Freunde kennengelernt hatte, ist in Pommern als Lebemann verschrien. Die Familie seiner Auserwählten hingegen bekennt sich zu einem tiefen und frommen Glauben, dem auch ihr einziges Kind folgt. Er schreibt seinen Schwiegereltern einen ellenlangen Brief, in dem er seine religiöse und bescheidene Seite gekonnt in den Vordergrund bringt. Beinahe selbstkritisch bittet er die Brauteltern um eine Einladung in ihr Landgut um sich persönlich vorzustellen. Die über die Art und Weise des verfassten Briefes überraschten Eltern willigen ein und bei seinem Besuch schafft Bismarck Fakten. Als seine Auserwählte zu dem Gespräch kommt umarmt er sie. Und sie umarmt ihn zurück. Die Geste überzeugt die Eltern von Bismarcks Aufrichtigkeit und sie stimmen der Verlobung zu. Es ist also ein Brief, der am Beginn der harmonischen Ehe von Bismarck und seiner Frau steht.

Auch später prägen Briefe das Leben der Eheleute Bismarck. Er nennt sie seinen „irdischen Engel“ und das „Allerliebste“, das er hat und beteuert immer wieder, dass sein Leben ohne seine geliebte Frau keinen Sinn ergebe. Die Korrespondenz des Paares zeigt beeindruckend die Entwicklung dieser großen Liebe. Die beiden so unterschiedlichen Charaktere müssen sich zunächst aufeinander einstimmen. In einem ihrer ersten Briefe schreibt sie an ihn: „Sei nicht so gewaltig stolz, so daß ich kaum weiß, wie ich mich recht benehmen soll.“ Sie lernt mit diesem Stolz umzugehen und kennt ihren Bismarck wie keiner sonst. In ihren Briefen können sich die beiden auch während der langen Zeiten des Getrenntseins, der Tribut, den das Politikerleben fordert, sich ihrer Liebe versichern. Ihr Tod ist für den Politiker der schwerste Schicksalsschlag seines Lebens, von dem er sich nie mehr erholt.

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