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Die Feldpost der beiden Weltkriege bildet in ihrer Summe einen für Historiker alles andere als leicht zu interpretierenden Quellenbestand. Zunächst einmal ist da die schiere Masse an Korrespondenzen, die zwischen Front und Heimat beständig hin- und hergesandt wurden. Im Zweiten Weltkrieg allein sollen es 30 bis 40 Milliarden Schriftstücke gewesen sein, die bereits lediglich auf deutscher Seite verschickt worden sind. Obgleich längst nicht alles von dieser unüberschaubaren Menge an Frontbriefen bis heute erhalten geblieben ist, stellt sich nach wie vor die Frage, wie einem solch immensen Berg an Einzelüberlieferungen methodisch beizukommen ist, wenn daraus eine ebenso repräsentative wie historisch verlässliche Darstellung hervorgehen soll.

Deutsche Feldpost Zweiter Weltkrieg

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Als problematisch erweist sich zudem die Tatsache, dass Feldpostbriefe zumindest stichprobenartig der Zensur unterlagen, weshalb die Soldaten nur im sehr eingeschränkten Maße über ihre Stellungen sowie die reale Lage an der Front berichten durften – galt es doch, der Gegenseite möglichst wenige Informationen in die Hände fallen zu lassen, sollte diese, aus welchen Gründen auch immer, in den Besitz der schriftlichen Zeugnisse gelangen. Zählten die Frontkämpfer zu den Heerestruppen autoritärer Regime, war außerdem höchste Vorsicht geboten, sobald es um die Äußerung kritischer politischer Ansichten ging, wie man sich denken kann.

Darüber hinaus übten sich nicht wenige Soldaten aber auch in permanenter Selbstzensur, wenn sie ihren nächsten Angehörigen schrieben. Den allermeisten dürfte es zutiefst bewusst gewesen sein, dass so gut wie jeder Brief die zu Hause ausharrenden Familienmitglieder als sehnlichst erwartetes Lebenszeichen erreichte. Und dies wiederum wird viele dazu bewogen haben, den furchtbaren Frontalltag mit all seinen grausamen Episoden und Ereignissen nicht allzu drastisch zu schildern, um die Ängste der Daheimgebliebenen nicht ins Unerträgliche zu steigern – ganz abgesehen davon, dass etliche Akteure an der Front über den ganz persönlichen Beitrag zum gegenseitigen Schlachten und Töten lieber schweigend hinweggingen.

Gleichwohl waren sich die meisten Soldaten ebensosehr darüber im Bilde, dass längst nicht alle Korrespondenzen von der Zensur lückenlos gegengelesen und überwacht werden konnten. Manch einer äußerte sich infolgedessen überraschend freimütig über die mal bessere, mal problematischere Situation der eigenen Heeresverbände, die Fehler und Schwächen von Vorgesetzten oder gar die selbstkritische Überprüfung und gegebenenfalls Überwindung althergebrachter Feindbilder.

Mehr zum Thema Feldpost im nächsten Beitrag.

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