Briefe von Unbekannten abonnieren, ist das nicht ein wenig verrückt? Will man nicht eigentlich persönliche, von Bekannten, Liebsten und Verwandten geschriebene Briefe erhalten, mit denen man auch die eigenen Erlebnisse gerne per Brief teilen will? Aber wie den Anfang machen, wenn man längst in der täglichen Kommunikation zum Handy oder zur Mail gegriffen hat, und die Brieffreunde von einst jetzt nur noch auf Facebook von sich lesen lassen?

Eine Lösung könnte „Letters in the Mail“ sein – eine Idee des amerikanischen Filmemachers und Schriftstellers Stephen Elliot. Als Ergänzung zu seiner linksorientierten Kulturwebseite „The Rumpus“ kann man sich für Letters in the Mail registrieren. Für 71 Dollar (USA) bzw. 120 Dollar weltweit erhält man ein Jahr lang monatlich zwei Briefe zugeschickt. Die Briefe werden normalerweise von Romanciers, Künstlern, Autorinnen und Autoren, Kulturschaffenden oder Wissenschaftlern verfasst, von The Rumpus kopiert und an die Abonnenten in aller Welt verschickt. Meist gibt es auch eine Antwortadresse, und die Briefeschreiber freuen sich über die Post ihrer Leser.

Briefe!“-Autor Simon Garfield hat auf diesem Weg Brieffreundschaft mit einer Englischprofessorin geschlossen. Er hat ihr einfach auf den Brief geantwortet, der von ihr an Letters-of-Mail-Gemeinde verschickt wurde. Die Geschichte dieser Brieffreundschaft erzählt Garfield im Epilog seines Buches – und es wird klar: Wenn Briefe persönlich geschrieben sind und Einblick in das Innenleben geben, berühren sie uns, auch wenn sie von völlig Unbekannten stammen.

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