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Gaius Plinius Caecilius Secundus, auch Plinius der Jüngere genannt (Plinius der Ältere war sein Onkel), ist uns wegen seines schriftstellerischen Werkes bekannt – hauptsächlich wegen der sogenannten Plinius-Briefe.

Die bereits zu Lebzeiten herausgegebenen Briefe bleiben ein unverzichtbares Zeugnis für das Leben und Denken der Oberschicht Roms zu Zeiten des Prinzipats. Einmal gelesen, sind seine dramatischen Schilderungen des Vesuvausbruchs 79 n. Chr. nicht mehr aus dem Gedächtnis zu streichen.

Weitaus seltener wird über Plinius amouröse Briefwechsel gesprochen. Was eigentlich erstaunlich ist: Seine Liebesbriefe gehören zu den wenigen Belegen für die römische Liebe in Briefform. Noch dazu bewegen Sie den modernen Leser – als würde bei Liebesfragen ein Zeitunterschied von Jahrtausenden keine Rolle spielen. Apropos modern: Seine ergreifendsten Briefe schrieb Plinius an seine dritte Frau Calpurnia:

Warum? Weil ich Dich lieb habe, und weil wir es nicht gewohnt sind,
getrennt zu sein. Daher kommt es auch, daß ich einen großen Teil der
Nacht wachend mit Deinem Bild vor Augen verbringe; daher, daß mich
bei Tage zu den Stunden, wo ich mich Dir zu widmen pflegte, wie man
ganz richtig sagt, die Füße selbst zu Deinem Zimmer führen, und daß
ich schließlich betrübt und niedergeschlagen, als hätte man mich nicht
eingelassen, Dein leeres Gemach verlassen.

Calpurnia erging es zu jener Zeit wohl nicht allzu gut. Ihr geliebter Plinius war bereits seit einigen Wochen geschäftlich unterwegs. Der Briefverkehr linderte den Schmerz zwar, doch zugleich entflammte er ihre Sehnsucht erneut. In einem weiteren Brief schreibt Plinius:

Wie Du mir schreibst, leidest Du nicht wenig unter der Trennung von
mir, und nur eines tröste Dich: daß Du statt meiner meine Schriften zur
Hand hast, sie oft sogar neben Dich auf meinen Platz legst. Lieb von Dir,
daß Du mich so vermißt, lieb von Dir, daß Du mit diesem Trostmittel
zur Ruhe kommst. Ich meinerseits lese dauernd Deine Briefe und nehme
sie immer wieder zur Hand, als wären sie neu, aber um so mehr regt sich
die Sehnsucht nach Dir. Denn wessen Briefe soviel Anmut haben, wieviel
Süße bietet dessen Gespräch! Schreib mir doch so oft wie möglich,
mag auch die Freude darüber mit Pein verbunden sein!

Die Briefe waren zu einer regelrechten Sucht geworden. Sie sind das Sinnbild für bittersüße Liebesbriefe, die heute immer seltener werden und durch neue Medien kaum zu ersetzen sind. Oder können Sie sich vorstellen so sehnsüchtig um eine weitere E-Mail zu bitten?

Um so inständiger bitte ich Dich, meiner Angst tagtäglich
mit einem oder lieber noch mit zwei Briefen abzuhelfen. Ich
werde ruhiger sein, wenn ich sie lese, und gleich wieder voll Angst,
sobald ich sie gelesen habe.

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