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Was den Brief wertvoll macht, sollte nicht die Briefmarke darauf sein. Seinen Wert erhält der Brief durch seine Menschlichkeit, also durch seine Ineffizienz: Briefe sind anachronistisch, langsam und umständlich. Sie vorzubereiten ist ein Ritual, sie zu schreiben bedarf des bedächtigen Überlegens, sie zu formulieren fordert ehrliche Worte. Der Brief erschafft etwas selten Gewordenes:
eine langsame Konversation.

E-Mails werden das nicht ersetzen. Als Errungenschaft der modernen Zeit sind sie zu effektiv. Sie bereiten keine Mühe, sind schnell erledigt und lassen sich nebenbei tippen. Die Email bietet sich an, um sterile Informationen hastig auszutauschen oder aber um pausen- und gedankenlos zu plappern. Die echte Unterhaltung liegt dem Medium nicht.
Und nur weil ein „Briefwechsel per Mail“ denkbar ist, sagt das noch nichts über tatsächliche Nutzung des Mediums aus. Schließlich ist es ebenso vorstellbar, Hamlet im Kasperletheater aufzuführen oder an der Autobahn zu zelten.

Und natürlich scheint die geplante Preiserhöhung um 8 Cent erträglich, doch faktisch ist es eine zusätzliche(und vor allem unschöne) Hürde. Bei so manchem wird es das Zünglein an der Waage sein, das zu stumpfen oder geschwätzigen Mails führt, anstatt sich die Zeit zu nehmen um sich tatsächlich mitzuteilen. Werden letztlich also tiefgehende Gespräche auf das Spiels gesetzt? Muss das sein?

Ob die Preiserhöhung einem wirtschaftlichen Imperativ folgt, ist schwer zu sagen. Manche meinen, die Preiserhöhung sei ökonomisch gerechtfertigt, da die Post die ganze (auch ländliche) Republik flächendeckend mit Briefen versorge, während sich die Konkurrenz nur auf attraktive Ballungsgebiete stürzt.
Auf der anderen Seite hat Postchef Frank Appel letztes Jahr 9,59 Millionen Euro verdient, was einem Plus von satten 22 Prozentpunkten entspricht und ihn auf Rang 3 Platz der bestbezahlten DAX-Manager katapultierte.
Wenn man es dem Postchef so leicht macht, warum macht er es dem Brief dann so schwer?

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