Schlagwörter

, , , ,

Ein Brief ist eine vertrauliche Mitteilung – und Briefversand eine Vertrauenssache. In demokratischen Staaten garantiert dieses Vertrauen das Briefgeheimnis, dessen Verletzung unter Strafe steht. Selbstverständlich war ein solches Gesetz zu keiner Zeit. Denn beinahe ebenso alt wie das Medium Brief ist die Geschichte der Briefzensur.


htttp://media.iwm.org.uk/iwm/mediaLib//28/media-28801/large.jpg

Misstrauische Herrscher oder Regierungen sowie das Militär waren dabei seit jeher die Hauptverantwortlichen für Überwachung und Zensur. So spionierte bereits Alexander der Große die Feldpost seiner Soldaten aus und belohnte falsche Wort- und Themenwahl mit Enthauptung.

Eine radikale Professionalisierung erfuhr die Postüberwachung mit der Einrichtung sogenannter „Schwarzer Kammern“ im 17. und 18. Jahrhundert. Die Geheime Kabinettskanzlei in Wien, die ihre Blütezeit unter Kaiserin Maria Theresia erlebte, gilt als Paradestück unter den staatlichen Dechiffrier- und Fälschungskammern. Unter Zeitdruck lasen hier gut bezahlte Angestellte die Post der kaiserlichen Untertanen und kopierten verdächtige Inhalte. Nach getaner Arbeit wurden die Briefe fachmännisch neu versiegelt und unauffällig zurück in den Postverkehr geschleust. Bei der gezielten Fälschung und Manipulation von Briefen erwarb sich das Kabinett ebenso große „Verdienste“ wie bei der Entschlüsselung von Geheimcodes.

htttp://wikikids.wiki.kennisnet.nl/images/thumb/7/76/Maria_Theresia_van_Oostenrijk3.jpg/350px-Maria_Theresia_van_Oostenrijk3.jpg

Zu unterscheiden ist die heimliche Überwachung verdächtiger Personen und ihrer Post von der öffentlichen Briefzensur. Diese kam häufig in Kriegszeiten zum Einsatz, da militärische Strategien oder kritische Äußerungen nicht an Außenstehende gelangen sollten. Im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg kontrollierten Offiziere aller Kriegsparteien akribisch die Feldpost von Soldaten und Gefangenen. Unerwünschte Stellen wurden geschwärzt oder ausgeschnitten. Ein Stempel der Zensurbehörde zeugte von der vorgenommenen Kontrolle.

Die jüngsten Datenskandale moderner Demokratien zeigen: Die Sicherstellung eines Brief- und Datengeheimnisses war, ist und bleibt ein fragiles Konstrukt. Die Frage, unter welchen Voraussetzungen staatliche Interessen und Verfassungsschutz über die Privatsphäre des einzelnen gehen, ist mit Sicherheit keine neue. Doch in einem 21. Jahrhundert der „elektronischen“ Briefe ist sie aktueller und umstrittener denn je.

Advertisements