Schlagwörter

, , , , ,

Welche moderne Kurznachricht ist 20 Worte lang, schnell und kostengünstig und treibt Datenschützer auf die Barrikaden? Hätten Sie es gewusst? Völlig klar, die Postkarte natürlich! Tatsächlich ist das kleine Kärtchen ohne Briefumschlag im Gegensatz zum Brief eine Erfindung jüngerer Zeit. Eingeführt wurde die sogenannte „Correspondenz-Karte“ 1869 in Österreich-Ungarn. Doch bald gab es sie auf der ganzen Welt: ab 1870 in Deutschland und Großbritannien, in Russland 1872 und in den USA und in Frankreich ab 1873.
Correspondenz-Karte

xhttps://de.wikipedia.org/wiki/Postkarte#/media/File:Correspondenz-Karte.jpg

Ein erster Versuch, die Postkarte im Jahr 1865 in den Gebieten des Norddeutschen Bundes einzuführen, scheiterte – wer hätte es gedacht – an Datenschutzbedenken. Als „unsittlich“ lehnte die preußische Postbehörde die für jedermann lesbare Korrespondenz erst einmal ab. Aufhalten konnte dies ihren späteren Erfolg jedoch nicht.
Zunächst auf 20 Worte begrenzt und im Telegrammstil beschrieben, spielten bei den frühen 8,5 × 12,2 Zentimeter großen Standardkärtchen auch die geringen Versandkosten eine entscheidende Rolle. Etwa 60 Prozent weniger als ein Brief kostete den Absender eine Postkarte.
Ganzsache_Bayern_P44-1

xhttps://de.wikipedia.org/wiki/Postkarte#/media/File:Ganzsache_Bayern_P44-1.jpg

Wurde die praktische Karte im ersten Monat ihrer Einführung bereits 1,4 Millionen Mal verschickt, löste der deutsch-französische Krieg 1870/71 den ersten Masseneinsatz aus. 10 Millionen Feldpostkarten entsandten deutsche Frontsoldaten im Laufe des Krieges in die Heimat. Danach nahm der Postkartenversand stetig zu. Milliarden von Postkarten wurden zwischen 1885 und 1918 jährlich versandt.
Beschrieben wurde auf den frühen Karten übrigens die unbebilderte Vorderseite, die Rückseite war alleine der Adresse vorbehalten. Erst ab 1905 setzte sich die bis heute bekannte Form der Ansichtskarte durch. Bei dieser teilen sich Text und Adresse die Rückseite, während die Vorderseite dem Bildmotiv vorbehalten ist.
Rupperstgruen_Postkarte

xhttps://commons.wikimedia.org/wiki/Postcard#/media/File:Rupperstgruen_Postkarte.jpg

Auch die Geschwindigkeit der Zustellung nahm Ende des 19. Jahrhunderts stetig zu und machte das Medium immer attraktiver. Siebenmal täglich wurden Postkarten in ihrer Hochphase in Wien zugestellt, bis zu fünfmal täglich klingelte der Postbote in Berlin.
BS

Advertisements