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28. März 1941: Die weltbekannte Schriftstellerin Virginia Woolf schreibt ihrem Ehemann Leonard einen Abschiedsbrief, der noch heute die Welt bewegt. Kurz darauf begeht sie in einem Fluss nahe ihres Landhauses, die Taschen mit Steinen beschwert, Selbstmord. Seit dem Tod ihrer Mutter (sie war 13 Jahre alt) schwer depressiv, verließ sie im Alter von 59 Jahren die Kraft weiter gegen ihr inneres Leiden anzukämpfen.

Abschiedsbrief Virginia Woolf

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Liebster,

ich spüre mit Sicherheit, dass ich wieder verrückt werde. Ich glaube, dass wir diese schreckliche Zeit nicht noch einmal durchstehen können. Dieses Mal werde ich mich nicht erholen. Ich beginne, Stimmen zu hören, und ich kann mich nicht konzentrieren. Ich tue also, was das Beste zu sein scheint. Du hast mir das größtmögliche Glück geschenkt. Du bist mir in jeder Weise all das gewesen, was jemand sein kann. Ich glaube nicht, dass zwei Menschen hätten glücklicher sein können, bis diese schreckliche Krankheit kam. Ich kann nicht mehr kämpfen. Ich weiß, dass ich Dein Leben verschwende, dass Du ohne mich arbeiten könntest. Und das wirst Du, das weiß ich. Du siehst, nicht einmal das hier kann ich ordentlich schreiben. Ich kann nicht lesen. Was ich sagen will, ist: Ich verdanke alles Glück in meinem Leben Dir. Du unglaublich geduldig und gut zu mir. Ich möchte das sagen – jeder weiß es. Wenn mich jemand hätte retten können, wärst Du es gewesen. Mich hat alles verlassen außer die Gewissheit Deiner Güte. Ich kann Dein Leben nicht länger verschwenden.

Ich glaube nicht, dass zwei Menschen hätten glücklicher sein können, als wir es waren.

V.

Virginia Woolf gab ihren inneren Stimmen in der Literatur Platz. Sie gilt als eine der ersten Autorinnen, die den inneren Monolog in ihren Werken zur Vollendung brachte und so die Seelenlage ihrer Protagonisten wirkungsvoll ausdrücken konnte. Das gelingt ihr auch in ihrem Abschiedsbrief, in dem sie emotional schildert, was sie trotz aller Liebe zu ihrem Mann zu einer solchen Handlung treibt. Das Schreiben war für sie therapeutisch, ebenso wie ausführliche Gespräche über Literatur, doch letzten Endes schien auch das nicht mehr zu genügen.

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