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Ja, es scheint wohl so, Franz Kafka hasst Briefe. Und das obwohl sein Kontakt zur polnischen Journalistin Milena Jesenská über Jahre hinweg hauptsächlich aus Briefen besteht! Und nicht nur das, er äußert sich noch weiter dazu:
Alles Unglück meines Lebens – womit ich nicht klagen, sondern eine allgemein belehrende Feststellung machen will – kommt, wenn man will von Briefen oder von der Möglichkeit des Briefeschreibens her. Menschen haben mich kaum jemals betrogen, aber Briefe immer und zwar auch hier nicht fremde, sondern meine eigenen.

Was hat den weltbekannten Schriftsteller wohl dazu bewogen, eine solch ablehnende Haltung gegenüber dem Briefeschreiben einzunehmen?

Die leichte Möglichkeit des Briefeschreibens muß – bloß teoretisch angesehn – eine schreckliche Zerrüttung der Seelen in die Welt gebracht haben. Es ist ja ein Verkehr mit Gespenstern und zwar nicht nur mit dem Gespenst des Adressaten, sondern auch mit dem eigenen Gespenst, das sich einem unter der Hand in dem Brief, den man schreibt, entwickelt […] Wie kam man nur auf den Gedanken, daß Menschen durch Briefe mit einander verkehren können! Man kann an einen fernen Menschen denken und man kann einen nahen Menschen fassen, alles andere geht über Menschenkraft. […] Geschriebene Küsse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den Gespenstern auf dem Wege ausgetrunken. Durch diese reichliche Nahrung vermehren sie sich ja so unerhört. Die Menschheit fühlt das und kämpft dagegen, sie hat, um möglichst das Gespenstische zwischen den Menschen auszuschalten, und den natürlichen Verkehr, den Frieden der Seelen, zu erreichen, die Eisenbahn, das Auto, den Aeroplan erfunden, aber es hilft nichts mehr, es sind offenbar Erfindungen, die schon im Absturz gemacht werden, die Gegenseite ist soviel ruhiger und stärker, sie hat nach der Post den Telegraphen erfunden, das Telephon, die Funkentelegraphie. Die Geister werden nicht verhungern, aber wir werden zugrundegehn.

Es ist ein wenig optimistisches Bild, welches Kafka hier vom Briefeschreiben gezeichnet hat. Doch trifft es zu, dass Briefe Menschen betrügen können? Was meinen Sie?

Eine Transkription vieler weiterer Briefe zwischen Franz Kafka und Milena Jesenská finden Sie in einem PDF auf der Website von Tomáš Odaha:

http://www.odaha.com/sites/default/files/BriefeAnMilena.pdf

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