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Als begnadeter Satiriker ist Heinrich Heine vielen bekannt. Gekonnt stichelte der Dichter in seinem staats- wie gesellschaftskritischen Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ gegen die verkrusteten absolutistischen Strukturen des frühen 19. Jahrhunderts. Zum Ärger etlicher konservativ gesinnter Zeitgenossen nahm er zudem mit viel Scharfsinn die nicht enden wollenden Versuche der obrigkeitlichen Zensur aufs Korn, die Freiheit der Gedanken zu beschneiden. „Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest von konfiszierlichen Büchern“ hielt Heine da recht spöttisch all denjenigen entgegen, die glaubten, dass man die politische Meinungsäußerung am besten dadurch eindämmen könne, indem man oppositionelle Zeitschriften und Bücher streng kontrollierte oder gar vernichtete – und die darüber vergaßen, dass die Ansichten selbst, einmal formuliert und weitervermittelt, sich nicht mehr so einfach aus dem Gedächtnis streichen lassen.
Aber auch den bisweilen auftretenden Unwegsamkeiten echter Herzensangelegenheiten wie der Liebe, begegnete der Satiriker mit ebenso erfrischender wie wohltuend distanzierender Ironie, eine Ironie, die ihm offenbar über manche Höhen und Tiefen des Lebens hinweggeholfen hat. Irgendwann muss Heine von einer Angebeteten per Brief einen Korb bekommen haben, der dann eigentlich doch keiner sein sollte. Und es lässt einen heute noch schmunzeln, mit welcher Leichtigkeit und Wortgewandtheit sein gewitzter Genius die ganze Widersprüchlichkeit eines solcherart schriftlich zugesandten „Lebewohls“ in Verse fasste:

Der Brief, den du geschrieben,
Er macht mich gar nicht bang;
Du willst mich nicht mehr lieben,
Aber dein Brief ist lang.
Zwölf Seiten, eng und zierlich!
Ein kleines Manuscript!
Man schreibt nicht so ausführlich,
Wenn man den Abschied giebt.

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