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Die erste Reaktion Kennedys auf den Brief war Verärgerung, sowohl über den Inhalt als auch über den Ton des Schreibens. Brandt hatte offen von wachsenden Zweifeln an den Westmächten gesprochen und sie des Wankelmuts bezichtigt. Außerdem hatte Brand den Brief mit einer vertraulichen Floskel geschlossen, wie es unter Bürgermeistern und amerikanischen Präsidenten nicht üblich war.

In seinem Antwortschreiben lehnt Kennedy die vorgeschlagenen Maßnahmen Brandts ab:

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Aber so ernst diese Angelegenheit auch ist, so stehen uns doch, wie Sie sagen, keine Maßnahmen zur Verfügung, die eine wesentliche Änderung der Sachlage in der derzeitigen Situation bewirken können. Da dieses brutale Schließen der Grenze ein deutliches Bekenntnis des Versagens und der politischen Schwäche darstellt, bedeutet dies offensichtlich eine grundlegende sowjetische Entscheidung, die nur durch Krieg rückgängig gemacht werden könnte. Weder Sie noch wir noch irgendeiner unserer Verbündeten haben jemals angenommen, daß wir an diesem Punkt einen Krieg beginnen müßten.

Nur eine der geforderten Maßnahmen wird schließlich doch durchgesetzt, nachdem Kennedy seinen Ärger über den vertraulich drängelnden Brandt-Brief überwinden konnte. Das Risiko einer entstehenden Vertrauenskrise zwischen den Westmächten und der deutschen Bevölkerung schien zu groß:

Nach sorgfältiger Überlegung habe ich selbst beschlossen, daß die beste Sofortreaktion eine wesentliche Verstärkung der westlichen Garnisonen ist. Die Bedeutung dieser Verstärkung ist symbolischer Natur – aber nicht nur symbolisch. […] Zugleich – und das ist von grundsätzlich größerer Bedeutung – werden wir die umfassende Erhöhung der militärischen Stärke des Westens, die wir beschlossen haben und als notwendige Reaktion auf die langfristige sowjetische Bedrohung Berlins und von uns allen betrachten, fortsetzen und beschleunigen. […]

Es wäre gut, wenn Sie konkrete Möglichkeiten vorschlagen, wie diese Bindung in einer Weise erweitert werden kann, damit sich die Bürger von Westberlin aktiver ihrer Rolle bewußt werden, und zwar nicht nur als Vorposten der Freiheit, sondern als lebendiger Teil der freien Welt und all ihrer Unternehmungen. In dieser doppelten Mission sind wir Partner, und es ist meine eigene Zuversicht, daß wir auch weiterhin uns in der Zukunft so sicher aufeinander verlassen können, wie wir es in der Vergangenheit getan haben.

Mit warmherzigen Grüßen

Hochachtungsvoll

John Kennedy


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Am selben Tag wurden 1500 US-Soldaten und Vizepräsident Lyndon B. Johnson nach Berlin entsendet um das Vertrauen der West-Berliner wieder herzustellen.

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