Schlagwörter

, , , , ,

Am 12. August 1961 gab der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht den Befehl zur Abriegelung der Sektorengrenze in Berlin. Mit dem Einverständnis der sowjetischen Regierung wurden am 13. August zwischen Ost- und Westberlin Barrikaden und Stacheldrähte errichtet, um die Flucht der Bevölkerung aus der wirtschaftlich nahezu ruinierten DDR nach Westdeutschland zu verhindern. Der Bau der Berliner Mauer, die bis 1989 bestehen bleiben sollte, hatte begonnen.

Der regierende Oberbürgermeister Willy Brandt reagierte darauf mit einem Schreiben an den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Darin bringt er seine Ablehnung gegen die plötzliche Spaltung Berlins zum Ausdruck. Zudem äußert er Unmut über die gemäßigte Reaktion der USA hinsichtlich dieser Entwicklung:

Die illegale Souveränität der Ostberliner Regierung ist durch Hinnahme anerkannt worden, soweit es sich um die Beschränkung der Übergangsstellen und des Zutritts zum Ostsektor handelt. Ich halte dies für einen ernsten Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte dieser Stadt, wie es ihn seit der Blockade nicht mehr gegeben hat.

In dem Brief weißt er auf die Gefahren hin, die Untätigkeit und defensives Verhalten in dieser schwierigen Situation mit sich bringen: eine mögliche Vertrauenskrise zu den Westmächten und das übersteigerte Selbstbewusstsein des Ostberliner Regimes. Zur Lösung dieser Problematik nennt Brandt einige Maßnahmen. Unter anderem verlangt er die Proklamation eines Drei-Mächte-Status für Westberlin und die Prüfung einer Menschenrechtsverletzung durch die UNO. Trotz dieser Vorschläge bleibt Brandt skeptisch gegenüber solcherlei Maßnahmen. Zu guter Letzt äußert er den Wunsch nach militärischer Verstärkung Westberlins durch die Amerikaner.

wwww.tagesspiegel.de/images/heprodimagesfotos88120131210048649-000_willybrandt_09-jpg/9193978/2-format43.JPG

 Ich verspreche mir von derartigen Schritten keine wesentliche materielle Änderung der augenblicklichen Situation und kann nicht ohne Bitterkeit an die Erklärungen denken, die Verhandlungen mit der Sowjetunion mit der Begründung abgelehnt haben, man dürfe nicht unter Druck verhandeln. Wir haben jetzt einen Zustand vollendeter Erpressung, und schon höre ich, daß man Verhandlungen nicht werde ablehnen können. In einer solchen Lage ist es um so wichtiger, wenigstens politische Initiative zu zeigen, wenn die Möglichkeit der Initiative des Handelns schon so gering ist. […]

Es wäre zu begrüßen, wenn die amerikanische Garnison demonstrativ eine gewisse Verstärkung erfahren könnte. Ich schätze die Lage ernst genug ein, um Ihnen, verehrter Herr Präsident, mit dieser letzten Offenheit zu schreiben, wie sie nur unter Freunden möglich ist, die einander voll vertrauen.

Ihr
Willy Brandt

Advertisements