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Napoleon Bonaparte war nicht nur ein genialer Feldherr und Stratege. Der Kaiser der Franzosen war auch ein Romantiker alter Schule, was man an seinen weltbekannten Liebesbriefen an Josephine sieht.

Bevor wir den Korsen selbst zu Wort kommen lassen, betrachten wir die Umstände des Briefes.

Zwar ist das Schreiben mit keinem Datum versehen, aber wir können uns sicher sein, dass es irgendwann zwischen Dezember 1795 und März 1796 aufgesetzt wurde – also der Zeitspanne zwischen dem Beginn der Romanze und der krönenden Hochzeit. Zum einen sieht man im Briefauszug, dass Napoleon von Josephine tatsächlich in den Bann gezogen war, zum anderen sieht man jedoch auch, dass Napoleon mitnichten auf strategisches Lügen verzichten wollte. Aus gesicherten Quellen weiß man, dass Napoleon sich sehr wohl über die finanzielle Lage der Familie seiner Angebeteten erkundigte – ganz gleich was der Korse im Brief an Josephine behauptet:

„Was also ist Deine seltsame Macht, unvergleichliche Joséphine? Einer Deiner Gedanken ist, mein Leben zu vergiften, meine Seele auseinanderzureißen (…) Ich weiß genau, wenn wir streiten, würde ich mein Herz, mein Gewissen verleugnen. Du hast sie verführt, sie sind stets Dein.
Ich bin richtig wütend ins Bett gegangen (…) Du hast also gedacht, ich liebte Dich nicht Deinetwegen? Wen dann? Ah, Madame, haben Sie darüber wirklich nachgedacht? Wie kann so ein niedriges Gefühl nur in einer so reinen Seele entstehen. Ich bin immer noch überrascht, nicht so sehr allerdings davon als durch das Gefühl, das mich, seit ich aufgewacht bin, ohne Bitterkeit und mühelos vor Deine Füße geführt hat.
Ich gebe Dir drei Küsse, einen auf Dein Herz, einen auf Deinen Mund und einen auf Deine Augen.“

Napoleons Josephine

Trotz allem Dahinschmachten (und Notlügen) war die Beziehung des mutmaßlichen Traumpaares dazu verurteilt, ein frühzeitiges Waterloo zu werden – Josephine gebar dem Korsen keinen Thronfolger und war obendrein nicht gerade die treueste aller Ehefrauen. Dass Napoleon während seiner Feldzüge eine ganze Reihe unehelicher Kinder zeugte, spricht zwar auch nur bedingt für dessen gelebte Monogamie, aber natürlich war es allen voran der Kaiser der zutiefst gekränkt war. Im Jahre 1820 kam es schließlich zur Scheidung und Napoleon heiratete noch im selben Jahr Marie-Louise von Österreich, die ihm den gewünschten Thronfolger schenkte.

Der praktisch letzte Brief, den Napoleon an Josephine schickte, zeigt noch einmal, dass Napoleon nicht nur Schlachten beherrschte, sondern auch das Briefeschreiben. Es ist schon ein Genuss, wie Napoleon in wenigen Sätzen recht charmant bleibt…nur um den Abschlusssatz eine besonders gemeine Wucht zu verleihen.

„Ich schicke jemanden, um zu erfahren, wie es Dir geht (…) Ich war ärgerlich über Dich wegen Deiner Schulden. Ich wünsche nicht, dass Du welche hast; im Gegenteil, ich wünsche, dass Du jedes Jahr eine Million auf Seite legst und Deinen Enkelkindern gibst, wenn sie heiraten, zweifle trotzdem nie an meiner Zuneigung für Dich und mach Dir keine Sorgen mehr über die augenblickliche Misslichkeit.
Adieu, meine Liebe. Lass mich wissen, dass es Dir gut geht. Es heißt, Du bist so fett wie eine gute normannische Bäuerin.“

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