Mit herzlichen Grüßen

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Die Welt der Briefe bedankt sich bei ihren Lesern und sagt auf Wiedersehen

Seit Sommer diesen Jahres haben wir diesen Blog geschrieben; nicht nur um unsere Freude an Simon Garfields Werk „Briefe!“ zu teilen, sondern auch um Ihnen einen kleinen Teil der großen Welt der Briefe zu präsentieren. Von der Kunst des Briefeschreibens über literarische Briefwechsel bis hin zu kuriosen Anekdoten bekannter Briefautoren – die Welt der Korrespondenz erstaunte nicht nur uns mit ihrer Vielfalt.

Dies ist unser letzter Eintrag. Wie bei jedem Lebewohl kann man auch diesen Abschied auf zweierlei Art erleben: Man kann traurig sein, dass die schöne Zeit vorüber ist oder man kann froh sein, dass es die gemeinsame Zeit überhaupt gab.
Zu unserer glücklichen Traurigkeit gesellt sich noch ein weiteres Gefühl: Dankbarkeit.

Wir danken Ihnen, dass Sie dabei waren als wir über die Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe schrieben, von den kuriosen Poststellen auf dem Grund des Meeres berichteten oder von Oscars Wildes amüsanter Art des Briefeverschickens erzählten.
Wir danken Ihnen für das Interesse an unserem Beitrag zur Feldpost, unserem Bericht über Briefzensur, unserer kleinen Geschichte der Briefmarke und vielem, vielem mehr …

Someone wants a letter from you

The British Postal Museum and Archive, London UK

Besonders erfreute es uns, dass Sie weit mehr als treue Leser waren. Gerade Ihre Kommentare und Anregungen gaben uns das Gefühl eines Dialogs (oder eines Briefwechsels?) und waren stets ein Ansporn für den folgenden Beitrag.
Überwältigend war der Zuspruch, den unser Gewinnspiel erfuhr. Zahlreiche Einsendungen erreichten uns und obwohl die Briefe nicht unterschiedlicher hätten sein können, waren sie doch in einem Punkt gleich: Jede Einsendung bereitete uns ein wahres Vergnügen, manchmal in Form eines Schmunzelns, manchmal durch ein tiefes Ergriffensein. In jedem Fall durften wir auf diese Weise auch einmal in die Rolle des Lesers schlüpfen – sehr zu unserem Wohlgefallen.

Und auch wenn dieser Blog hiermit seinen letzten Beitrag erfährt, ist die Leidenschaft für Briefe für viele von uns neu entfacht worden. Die Mitwirkenden des Blogs verschicken wieder vermehrt private Briefe, kramen in ihren alten Korrespondenzen und erleben auch in ihren Freundeskreisen eine kleine Renaissance dieser alten Kunst.
Soviel darf man verraten: So mancher von uns war verblüfft, wie viel Freude es bereitet Briefe zu verfassen und im Gegenzug ein Schreiben zu erhalten.

Diese Freude wünschen wir auch Ihnen für die Zukunft.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Blog-Team

PS: Schreiben Sie doch mal wieder!

Alle Jahre wieder: Weihnachtsgrüße zum Fest

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Der Anfang

Besonders viel Mühe bereiten der Anfang und das Ende eines Briefes, so auch bei den alljährlichen Weihnachtsgrüßen. Sollte man Schiller, Goethe oder Rilke zum Fest hervorkramen und damit die ersten Worte oder Sätze der Weisheit anderen überlassen? Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Nur einen der Großen zu zitieren reicht allerdings nicht aus, um einen bleibenden Eindruck beim Empfänger zu hinterlassen.

Das Ende

Floskeln wie ‚Besinnliche Weihnachten und ein frohes Neues Jahr‘ oder ‚Einen guten Rutsch‘ scheinen nicht aus der Mode zu kommen. Vor allem bei engen Freunden oder langjährigen Mitarbeitern ist es allerdings wünschenswert mit einer persönlicheren Note zu schließen. Nehmen Sie zum Beispiel Bezug auf ein gemeinsames Erlebnis, eine Begegnung oder eine lustige Begebenheit. Dabei sollte aber vermieden werden, auf etwas allzu peinliches zu sprechen zu kommen.
Besonders unpersönlich wirken Weihnachtsgrüße, die mit einer gescannten Unterschrift versehen werden. Sofern Sie also nicht eine unüberschaubare Anzahl an Weihnachtskarten verschicken müssen, nehmen Sie sich die Zeit für eine handgeschriebene Signatur.

Erste Weihnachtskarte 1843

Die erste Weihnachtsgrußkarte aus dem Jahr 1843

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:FirstX-MasPostcard1843.jpg?uselang=de

Eine E-Card zu Weihnachten?

Sind E-Cards zu Weihnachten ein ‚no go‘ oder ‚en vogue‘? Wenn die Möglichkeit besteht, persönliche Zeilen einzufügen und der Empfänger Internet-affin ist, scheint einer E-Card kein vernünftiger Grund im Wege zu stehen. Eine etwas andere – persönlichere und deshalb ausschließlich Freunden und engen Bekannten vorbehalten – ist die Idee Postkarten mit eigenem Bild zu verschicken: hoch laden, ausfüllen, absenden… alles ganz einfach.

Egal welche Weihnachtsgrüße Sie versenden möchten, denken Sie daran: Weihnachten ist keine Jahreszeit. Es ist ein Gefühl.

Vom Postwertzeichen zum Sammlerobjekt: Kleine Geschichte der Briefmarke

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Mit dem Druck der ersten beiden Briefmarken der Welt, der „One Penny Black“ und der „Two Pence Blue“, begann am 6. Mai 1840 eine neue Ära der Postgeschichte. Die Einführung von Aufklebemarken sorgte für verbindliche Gebühren in der Briefzustellung und galt als durchaus revolutionär.

One Penny black klein

https://de.wikipedia.org/wiki/Briefmarke#/media/File:Penny_black.jpg

So waren die vorher üblichen Methoden zur Errechnung der Briefgebühr sehr ungenau und aufwendig. Indiskret und zeitraubend gestaltete sich das Zählen der vom Absender verwendeten Briefbögen. Auch das Abschätzen der exakt zurückgelegten Entfernung zwischen Absender und Empfänger erwies sich als äußerst kompliziert.

Bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlte darüber hinaus in den meisten Fällen der Empfänger die Versandgebühr des Briefes. Verweigerte dieser die Annahme, konnte die Post manches Mal auf den Beförderungskosten sitzen bleiben.

In Anbetracht dieser Schwierigkeiten wurde Sir Rowland Hill, Schriftführer der „ Gesellschaft für die Verbreitung nützlichen Wissens“, von der britischen Regierung 1835 mit der Reformierung des Postwesens betraut. Er schlug zunächst eine von der Sendedistanz unabhängige Inlandsgebühr vor, die sich stattdessen nach dem Gewicht der Sendung richten sollte.

Sein zweiter Gedanke, „kleine, auf der Rückseite mit Leim bestrichene Papiere“ zur Quittierung der Versandgebühr auf dem Briefumschlag zu verwenden, war keineswegs neu. Bereits 1836 hatte der Slowene Laurenz Koschier diese Idee und unterbreitete sie zunächst erfolglos der österreichischen Regierung. Der schottische Buchhändler James Chalmers machte dem britischen Parlament kurz darauf einen ähnlichen Vorschlag. Offensichtlich wurde dieser von Hill in seiner Postreform aufgegriffen und schließlich umgesetzt.

Das neue Gebührensystem erwies sich als tauglich und trat seinen Siegeszug um die Welt an. Die USA, Brasilien und die Schweiz ebenso wie die britische Kolonie Mauritius druckten nur wenig später eigene Briefmarken. Am 1. November 1849 gab das Königreich Bayern die erste deutsche Briefmarke, den sogenannten „Schwarzen Einser“, heraus.

Schwarzer Einser klein

https://de.wikipedia.org/wiki/Briefmarke#/media/File:First_Bavaria_postage_stamp_1k_1849_issue.jpg

In Zeiten der E-Mail und ausdruckbaren Barcodes ist die Briefmarke heute vom Aussterben bedroht. Nur noch etwa 5 % der derzeit in Deutschland beförderten Briefe sind mit einem Postwertzeichen versehen.

Trotzdem ist die Briefmarke bis heute viel mehr als der Wert ihrer Versandgebühr.
Millionen Sammler auf der ganzen Welt kaufen seltene Briefmarken für ihre Sammelalben. Darüber hinaus hat die Briefmarke eine enorme kulturgeschichtliche Bedeutung und war als staatliches Hoheitszeichen seit jeher ein wichtiges Symbol nationaler Selbstdarstellung.

Warum Montaigne Briefratgeber hasste…

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Michel de Montaigne ist dank seiner gewitzten Gedanken auch heute noch lesenswert. Über die Briefratgeber seiner Zeit würde er das wohl nicht behaupten – ganz im Gegenteil: Bereits zu Lebzeiten wetterte er nur zu gerne gegen das gekünstelte Briefeschreiben seiner Zeitgenossen, schließlich sei er „ein geschworener Feind jeder Art Fälschung“ (womit er Unaufrichtigkeit meinte). Auch in dem bekannten Essay namens Betrachtung über Cicero widersprach er Erasmus von Rotterdam in skeptischem Ton, als es um die Formalien in einem Brief ging.

Montaigne 1578

https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_de_Montaigne#/media/File:Montaigne_1578.jpg

Allen voran hielt Montaigne nichts von der stets empfohlenen wohlüberlegten Durchdachtheit, mit der man einen Brief verfassen soll. Progressiv wie er war, pochte er vielmehr auf eine ausdrucksstarke Spontanität, die durch seinen „vertraulichen“ Stil unterstrichen wurde.
„Vertraulicher“ Stil? Er hielt seine Schreiben für „zu kurz, unordentlich, unterbrochen und besonders“, um zu einem förmlichen Brief zu passen, und selbstverständlich misstraute er ohnehin den langwierigen „Complimentirbriefe[n], die nichts anders als zusammengeflochtene höfliche Worte sind“.

Auch von anderen weitverbreiteten (und mitunter leserfreundlichen) Ratschlägen hielt Montaigne wenig. So beauftragte er niemals einen professionellen Schreiber – ungeachtet der eigenen Aussage, dass er sich selbst „eine unerträglich schlechte Hand“ bescheinigte. Schließlich half sein schnelles Dahinkritzeln beim unreflektierten Schreiben – und je weniger er über den Brief nachdachte, desto besser gelang dieser:

„Ich habe die Grossen, so mich kennen, gewöhnet, daß sie es leiden, wenn ich darinnen auskratze, und das Papier ungebrochen und ohne Rand lasse. Diejenigen Briefe, die mich die meiste Mühe kosten, taugen am wenigsten. So bald als ich langsam schreibe, so ist diß ein Zeichen, daß ich meine Gedanken nicht drauf habe. Ich fange gern an, ohne vorher zu wissen, was ich schreiben will. Der erste Gedanke bringt den andern hervor.“

Aufgrund seines stürmischen Denkens graute es Montaigne natürlich vor den blutleeren Begrüßungs- und Abschiedsfloskeln seiner Zeit:

„Die Briefe ietziger Zeit enthalten mehr an Einkleidung und Vorreden, als an Sachen“, beschwerte sich der Philosoph. Außerdem habe er höchst bewusst jedes Schreiben an „Justitz und Kammer [=Finanz-]Bediente“ vermieden – aus Sorge, Fehler bei ihrer Anrede zu begehen.

Und zum Schluss noch Montaignes Kritik am damaligen Briefschluss:
„Ebenso wollte ich auch gern, wenn die Materie aus ist, einem andern die Mühe übergeben, diese lange Komplimente, Dienstbezeugungen, und Bitten, womit wir schliessen, hinzu zu setzen, und wünschen, daß eine neue Gewohnheit uns dieser Last überhübe.“

„Man kann einen Brief lesen, man kann einen Brief singen.“

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„Man kann einen Brief lesen, man kann einen Brief singen.“ So sagt ein jüdisches Sprichwort. Bei uns sagt man ganz schlicht „Der Ton macht die Musik“ – das klingt natürlich nur halb so schön. Über Briefe gibt es nicht nur Sprichwörter, sie kommen auch in zahlreichen Zitaten berühmter Personen vor. Blaise Pascal, französischer Religionsphilosoph und Naturwissenschaftler – und Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung – sagte einmal: „Lange Briefe schreibt man nur, wenn man nicht genug Zeit hat, kurze zu schreiben.“

Französischer Religionsphilosoph und Naturwissenschaftler

Blaise Pascal

https://de.wikipedia.org/wiki/Blaise_Pascal#/media/File:Pascal_Blaise.jpeg

Auf den ersten Blick mag das etwas verwirrend klingen, denkt man ein wenig darüber nach, muss man ihm recht geben. Schreibt man einfach darauf los, schreibt man sich alles von der Seele, so wird der Brief natürlich länger, doch braucht man wesentlich länger, wenn man die Worte mit Bedacht wählt und lange überlegt. Ein Problem, das man heute auch nur zu gut von SMS, Emails und Whats App-Nachrichten kennt, wusste schon der Arzt Carl Ludwig Schleich Anfang des 20. Jahrhunderts zu benennen: „Das Unglück des Briefeschreibens ist, daß die Worte für sich stehen ohne Geste, Ton und Mimik. Daher die vielen brieflichen Mißverständnisse.“ Nichts desto trotz: „Briefe zu schreiben ist die schönste Art Zeit zu vergeuden“, fand zumindest Politiker John Morley, 1. Viscount Morley of Blackburn.

Zum Abschluss gibt es noch einen Tipp des dänischen Philosophen Søren Aabye Kierkegaard für alle Verliebten unter euch: „Der Brief ist und bleibt ein unvergleichliches Mittel, auf ein junges Mädchen Eindruck zu machen; der tote Buchstabe wirkt oft stärker als das lebendige Wort.“

In diesem Sinne halten wir es mit dem Slogan der Deutschen Post: Schreib mal wieder!

Der teuerste Brief der Welt


http://www.christies.com/%5Cimages%5Cpages_content_archive_NEW%5C2013%5Ccrick-image-340.jpg

„Jim Watson und ich haben wahrscheinlich eine wichtige Entdeckung gemacht …“ Dies sind die ersten Worte eines Briefes, den der Forscher Francis Crick am 19. März 1953 an seinen Sohn schickte. Im Jahr 2013 wurde dieser Brief im Auktionshaus Christie’s versteigert – für die Rekordsumme von rund 4,5 Millionen Dollar.

Als sein Sohn das Schreiben erhielt, lag der Junge krank im Bett und konnte sich intensiv mit dem Brief auseinandersetzen, ganz so wie es ihm sein Vater nahelegte:

„Lese dies sehr genau, damit du es verstehst. Wenn du nach Hause kommst, zeigen wir dir das Modell. In Liebe, Daddy.“

Francis Crick hat seinen Sohn nicht grundlos um besondere Aufmerksamkeit gebeten. In seinem Brief erklärte er seinem Kind nichts anderes als die Struktur und den Aufbau der menschlichen DNS – einer Entdeckung, von der selbst die Fachwelt noch nichts wusste. Der Brief ist damit ein denkwürdiger Beleg für die Geburt der Genmedizin überhaupt:

„Wir haben ein Model für die Struktur der Des-oxy-ribo-nuklein-säure (aufmerksam lesen), kurz DNS, gebaut (…)

Unsere Struktur ist sehr schön. DNS kann man sich als eine sehr lange Kette vorstellen, aus der flache Teilchen rausgucken. Die flachen Teile nennt man „Basen“. Die Formel sieht ungefähr so aus: …“


http://abcnews.go.com/images/US/bn_dna_helix_letter_nt_130411_wblog.jpg

Einer der letzten Sätze fasst die enorme Bedeutung der Entdeckung zusammen:

„Oder anders ausgedrückt: wir glauben, dass wir den grundsätzlichen Kopiermechanismus entdeckt haben, durch den Leben wieder Leben erzeugt.“

Ein anonymer Bieter ersteigerte den Brief für 4,5 Millionen Euro – selbst das traditionelle Auktionshaus Christie`s war verblüfft. Dort rechnete man mit einer Summe von rund 1,5 Millionen Euro. Francis Crick hätte sich über den üppigen Betrag sicher gefreut: Sein Sohn vermachte die Hälfte des Geldes dem Salk Institute in Kalifornien, wo der Entdecker der DNS-Doppelhelix zuletzt lehrte.

Grußformeln der Welt

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Unsere Sprache prägt unser Denken. So sagt man zumindest.
Manche Kulturen sind schroff, andere aufgesetzt höflich. So sagt man zumindest.

Aber anstatt sich tiefgehend mit anderen Kulturen, deren Hintergründen und Hoffnungen auseinanderzusetzen, kann man auch einfach die Grußformeln verschiedener Sprachen beäugen und mutmaßen, dass der Schluss eines Briefes der Anfang vom Verstehen ist. Amüsant ist es allemal.

Die Hälfte der Menschheit beneidet die Franzosen um ihre wohlklingende Sprache, die selbst einen Steuerbescheid charmant klingen lässt. Aber wie charmant beenden unsere Nachbarn einen Brief?

Hier eine kleine Auswahl – und was es, sehr wörtlich übersetzt, bedeutet:

Amicalement – in Freundschaft
Amitiés- dein Freund
À bientôt – Sehen uns bald
Au plaisir de vous revoir – Hoffe dich bald wieder zu sehen
Bien amicalement – in guter Freundschaft
Cordialement – Herzlich
Meilleures salutations – Beste Grüße

Charmant, aber nicht überraschend. Letztlich findet man kaum eine Floskel, die man so ähnlich nicht auch im Deutschen findet. Vielleicht wird es exotischer, wenn man sich Sprachen anschaut die älter sind und in entfernteren Regionen gesprochen werden. Zum Beispiel Hebräisch:

b’chavod (rav) – Mit großer Ehre
bivracha – Mit Segen
kol tov – Alles Gute bzw. Alles Beste

Oder falls man den Gegenüber intimer kennt:

mitga’ageah (m) oder mitga’aga’at (f) – Vermisse dich

Ehre, Segen, das Allerbeste und die Sehnsucht: Fast könnte man vermuten, dass die Hebräer etwas mit einer altehrwürdigen Religion zu tun haben.

Den Russen hingegen sagt man allgemein eher eine markante Härte nach – dem sibirischen Winter nicht unähnlich. Ob das in deren Grußformeln bestätigt wird?

С уважением – Respektvoll Ihr
С комсомольским приветом! –Mit komsomolen Grüßen (damals wie heute eher scherzhaft gemeint)
Искренне Ваш – Aufrichtig Ihr
Ваш покорный слуга – Ihr untergebener Diener
До скорой встречи – bis bald

Die russische Seele ist vielfältig. Man macht sich über die ehemalige Jugendpartei der KPdSU lustig, zollt Respekt, sagt salopp »bis bald« und ist manchmal ein untergebener Diener. Ein großes Land, eine große Vergangenheit.

Aber wer hätte gedacht, dass das im Vergleich bescheidene Ungarn eine wahrhaft imposante Vielfalt an Grußformeln zu bieten hat?

Tisztelettel – das sehr formale »Mit Grüßen«
Puszi – bedeutet »Kuss auf die Wange« und wird in der Familie oder bei guten Freundinnen benutzt
Pusszantás – auch wenn es eigentlich auch nur »Kuss auf die Wange« bedeutet, wird diese Grußformel als entweder lustig oder unverschämt wahrgenommen – je nach Adressat.
Csók – bedeutet »Kuss auf den Mund« und wird nur zwischen Paaren genutzt.
Csókolom or Kezit csókolom – nutzen eher ältere Ungarn,  bedeutet in etwa »Kuss auf die Hand«
Csóközön –bedeutet wörtlich »Eine Flut von Küssen« und ist eher als Witz zu verstehen.

Also sind es die Ungarn, die einfach nicht aufhören können, sich Küsse hin und her zu wünschen. Eigentlich eine schwache Leistung der französisch küssenden Franzosen.

Zu guter Letzt noch eine Nation, die den Erwartungen gerecht wird. Japaner gelten als überaus höflich. Und sind es auch:

Keigu (敬具) – Aufrichtigst
Haikei (拝啓 – Voller Respekt
Kashiko (かしこ) – Mit großer Bescheidenheit

Die Höflichkeit chinesischer Briefe

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1938 erschien in Shanghai ein mehr als kurioses Handbuch, der ›Key to English Letter Writing‹. Die Verfasser Chen Kwan Yi und Whang Shih entwarfen einen Ratgeber, der Chinesen den Briefverkehr mit Engländern und Amerikanern erleichtern sollte. Dieses Ziel wurde zwar nur sehr eingeschränkt erreicht, doch die fantastischen Einblicke in chinesische Briefbräuche sind eine mehr als lohnende Entschädigung.

Erste Sympathiepunkte sammelt der Briefratgeber durch eine empfohlene Großzügigkeit, die ein wenig befremdlich wirkt. Das Thema ist eine angemessene Gratulation zu einer Hochzeit:

»Ich habe von Mr. B erfahren, dass Sie letzten Mittwoch Miss C geheiratet haben. Ich erbitte Ihre Annahme der beiliegenden Fische als ein belangloses Unterpfand meiner Wertschätzung.«

Aber da eine Ehe oftmals mit Kindern endet (im übertragenen Sinne, versteht sich), gilt es natürlich, auch bei einer etwaigen Geburt nicht zu geizen:

»Erlauben Sie mir, Ihnen zur Geburt eines Kindes in Ihrer Familie zu gratulieren. Ich erbitte Ihre Annahme des beiliegenden Korbes mit gemischten Fischen, die ich Ihnen zur Feier des freudigen Ereignisses übersende.«


http://fishbreeds.net/wp-content/uploads/2012/05/should-you-give-fish-as-gifts.jpg

Der Verdacht liegt nahe, dass ein Fischgeschenk die alleinige Geschenkwährung sei. Allerdings erfüllen die Chinesen auch gerne andere Klischees, wie die Empfehlung bzgl. einer Gratulation zur Anwaltszulassung zeigt:

»Sir, mit Vergnügen erfahre ich, dass Sie Ihre Zulassung als Anwalt erhalten und sich eine private Kanzlei eingerichtet haben (…). Nehmen Sie bitte das beiliegende Fahrrad als schlichtes Zeichen meiner Wünsche für Ihren künftigen Erfolg entgegen.«

Aber leider besteht das Leben nicht nur aus Festivitäten und Höhepunkten – was die Ratgeberautoren jedoch nicht davon abhielt, auch zu Tragödien einen Gratulationsvorschlag zu unterbreiten:

»Das Feuer, das letzte Nacht in Ihrer Nachbarschaft ausgebrochen ist, muss bei Ihnen beträchtliche Unruhe ausgelöst haben (…)«, erklärt der Brief, bevor es zur kuriosen Wende kommt: »Ich habe mit großer Freude vernommen, dass Ihr Haus den Flammen entgangen ist (…). Nehmen Sie bitte das beiliegende Dutzend Champagnerflaschen mit den besten Glückwünschen entgegen.«

Aber auch beim Verschenken kann man Sympathien verschenken, besonders wenn eine amouröse Annäherung eines Herrn als verfrüht empfunden wird.

»Im gegenwärtigen Stadium unserer Beziehung zueinander«, so sollte eine Dame einem drängelnden Casanova schreiben, »fühle ich mich nicht berechtigt, Geschenke anzunehmen, die meiner Meinung nach nur mit Freundschaften von großer Intimität und langer Dauer verträglich sind.«

Wem das Ganze ein bisschen weltfremd vorkommt, der sei beruhigt: ›Key to English Letter Writing‹ enthält auch Kurzformen gängiger westlicher Namen, die dafür sorgen sollen, dass der Briefwechsel freundschaftlicher ausfällt. So soll man einen Freund namens Charles doch lieber als »Chaos« bezeichnen, der Kumpel Thomas wird zu »Jommy« und hinter »Steenie« steckt natürlich niemand anderes als der, sicherlich stirnrunzelnde, Stephen.


http://www.businessinsurance.org/wp-content/uploads/2012/02/Chinese-Business-Leaders-Every-American-Should-Know-About.jpg

Millionen von Schicksalen schwarz auf weiß: Die Feldpost der beiden Weltkriege (Teil II)

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Da sie, wie im letzten Beitrag erwähnt, nicht durchweg von der Zensur überwacht werden konnten, eignen sich Frontbriefe also bis zu einem gewissen Grad als Quellen zu einer „Militärgeschichte von unten“ aus dem Blickwinkel der „einfachen Rekruten und Soldaten“, die den verstaubten Narrativen „großer Feldherren“ und ihrer „glorreichen Schlachten“ entgegengehalten werden kann. Ferner verraten sie eine Menge über die unter einzelnen Truppen aufkommenden Befindlichkeiten und Stimmungen und somit darüber, inwiefern die fürchterliche Tötungsmaschinerie des modernen Krieges mit seinen hochtechnisierten Waffen überhaupt noch in irgendeiner Weise als sinnvoll betrachtet werden konnte. Und schließlich geben sie nicht selten Auskunft über internalisierte Ideale von Kameradschaft und Männlichkeit oder nicht zuletzt die verinnerlichten Geschlechterbilder.

Vor allem sind unzählige Schriftstücke, die zwischen Front und Heimat hin- und hergingen, jedoch beredte Zeugnisse einer nie enden wollenden Sehnsucht sowie höchster Hoffnungen – der Sehnsucht, sowohl auf Seiten der Frontkämpfer als auch der zu Hause ausharrenden Familienangehörigen, endlich wieder vereint zu sein, sowie der großen Hoffnungen auf die Zeit nach dem Krieg, auf ein Leben ohne permanente Angst und nunmehr fast tägliche Schrecken.

In ebendiesem Sinne liest sich auch der während des Zweiten Weltkriegs zu Papier gebrachte Briefwechsel zwischen dem beim Royal Corps of Signals, also der britischen Fernmeldetruppe eingesetzten Telefonisten Chris Barker und seiner ehemaligen Arbeitskollegin und immer engeren Freundin Bessie Moore, wobei ebenjene Korrespondenz noch eine zutiefst anrührende Besonderheit aufweist: Die beiden Briefpartner, die sich zunächst eher oberflächlich kannten, kamen sich im Laufe der Zeit stetig näher, sodass sich allein aufgrund der schriftlichen wechselseitigen Darlegung von Vorstellungen, Gefühlen, Sehnsüchten und Gedanken eine regelrechte Liebesbeziehung entspann. Das gegenseitige Verlangen nach nächster Nähe nicht nur im Geiste steigerte sich am Ende so sehr, dass Chris im April 1944 seine nunmehr engste Vertraute schließlich wissen ließ: „Wie nah sind wir uns trotz der Entfernung, wie fern von einer Berührung wegen ihr, Bessie; Liebste, Geliebte, Frau.“

Feldpost

Bessie Moore und Chris Barker

Bildquelle: http://www.bbc.co.uk/programmes/b05r78dw

Nun, wie es mit dieser beständig wachsenden Liebe, die zunächst auf nicht mehr als dem eifrig niedergeschriebenen und in etlichen Umschlägen hin- und hergesandten Wort basierte, weiterging, fragt man sich da? Wer es wissen will, kann die schönsten Auszüge ebenjener Korrespondenz zwischen Chris und Bessie in Simon Garfields neuem Buch über Briefe lesen, die der Autor dort in regelmäßigen Abständen zwischen die einzelnen Kapitel seiner Darstellung eingeflochten hat.

Millionen von Schicksalen schwarz auf weiß: Die Feldpost der beiden Weltkriege (Teil I)

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Die Feldpost der beiden Weltkriege bildet in ihrer Summe einen für Historiker alles andere als leicht zu interpretierenden Quellenbestand. Zunächst einmal ist da die schiere Masse an Korrespondenzen, die zwischen Front und Heimat beständig hin- und hergesandt wurden. Im Zweiten Weltkrieg allein sollen es 30 bis 40 Milliarden Schriftstücke gewesen sein, die bereits lediglich auf deutscher Seite verschickt worden sind. Obgleich längst nicht alles von dieser unüberschaubaren Menge an Frontbriefen bis heute erhalten geblieben ist, stellt sich nach wie vor die Frage, wie einem solch immensen Berg an Einzelüberlieferungen methodisch beizukommen ist, wenn daraus eine ebenso repräsentative wie historisch verlässliche Darstellung hervorgehen soll.

Deutsche Feldpost Zweiter Weltkrieg

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2a/Einsatzgruppe_B.jpg

Als problematisch erweist sich zudem die Tatsache, dass Feldpostbriefe zumindest stichprobenartig der Zensur unterlagen, weshalb die Soldaten nur im sehr eingeschränkten Maße über ihre Stellungen sowie die reale Lage an der Front berichten durften – galt es doch, der Gegenseite möglichst wenige Informationen in die Hände fallen zu lassen, sollte diese, aus welchen Gründen auch immer, in den Besitz der schriftlichen Zeugnisse gelangen. Zählten die Frontkämpfer zu den Heerestruppen autoritärer Regime, war außerdem höchste Vorsicht geboten, sobald es um die Äußerung kritischer politischer Ansichten ging, wie man sich denken kann.

Darüber hinaus übten sich nicht wenige Soldaten aber auch in permanenter Selbstzensur, wenn sie ihren nächsten Angehörigen schrieben. Den allermeisten dürfte es zutiefst bewusst gewesen sein, dass so gut wie jeder Brief die zu Hause ausharrenden Familienmitglieder als sehnlichst erwartetes Lebenszeichen erreichte. Und dies wiederum wird viele dazu bewogen haben, den furchtbaren Frontalltag mit all seinen grausamen Episoden und Ereignissen nicht allzu drastisch zu schildern, um die Ängste der Daheimgebliebenen nicht ins Unerträgliche zu steigern – ganz abgesehen davon, dass etliche Akteure an der Front über den ganz persönlichen Beitrag zum gegenseitigen Schlachten und Töten lieber schweigend hinweggingen.

Gleichwohl waren sich die meisten Soldaten ebensosehr darüber im Bilde, dass längst nicht alle Korrespondenzen von der Zensur lückenlos gegengelesen und überwacht werden konnten. Manch einer äußerte sich infolgedessen überraschend freimütig über die mal bessere, mal problematischere Situation der eigenen Heeresverbände, die Fehler und Schwächen von Vorgesetzten oder gar die selbstkritische Überprüfung und gegebenenfalls Überwindung althergebrachter Feindbilder.

Mehr zum Thema Feldpost im nächsten Beitrag.

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